Die "Kökschenglocke"

 

 

 „Go to bett! Slop rech nett!
Up to tied, ut mit Friet!
Bur vöran, Knech achteran.
Arbeit in Hüll, Segen in Füll.
Go to bett! Slop rech nett!”

 

 

 

Nach diesem Takt läutet die Heiligenhafener Bürgerglocke oder “Kökschenglocke”, wie sie im Volksmund liebevoll genannt wird, nun wieder allabendlich um kurz vor 22.00 Uhr „wie in alten Zeiten“ vom Dach des Rathauses. 

Über die genaue Herkunft der bronzenen Glocke weiß man leider nichts. Auf allen alten Bildern von dem am 30. November 1733 eingeweihten Rathaus, das noch auf dem Marktplatz stand, erkennt man die Bürgerglocke, die in einem kleinen Turm auf dem roten Ziegeldach hängt. 1878 wurde dieses Rathaus abgebrochen und die Glocke zunächst auf einem Dachboden abgestellt, bis sie dann eines Tages in einem Türmchen auf dem Spritzenhaus im Thulboden 1, das zugleich Polizeistation war, erneut aufgehängt und dann auch wieder jeden Abend um 22.00 Uhr von einem „Läutnant“ geläutet wurde. Mit kurzen Unterbrechungen blieb dies so, bis im Mai 1960 das Haus Thulboden 1 mit der Polizeidienststelle verkauft und die „Kökschenglocke“ für Jahre im „Carl-Bütje“-Heimatmuseum untergebracht wurde. Erst als der Reeder und Kapitän Willi Freter sen. sich bereit erklärt hatte, die Kosten von rd. 7.700,-- DM zu übernehmen, wurde im Jahr 1977 unter Beteiligung verschiedener einheimischer Firmen (Elektromeister Wohllebe, Zimmermeister Hoffmann, Installateurmeister Samsing) der Glockenturm für die etwa 30 kg schwere bronzene „Kökschenglocke“ auf dem Rathausdach in seiner heutiger Ausgestaltung errichtet. Der großzügige Spender Willi Freter trug so zur Wahrung einer jahrhundertealten Tradition bei. Seitdem läutet die Glocke wieder jeden Abend um kurz vor 22.00 Uhr. Ab 1988 wurde eine „Kökschenglocke“ (Gießton; bei ca. 1200°C gebrannt) von dem hiesigen – inzwischen leider verstorbenen – Künstler Martin Hohmann limitiert in einer Auflage von 1000 Stück hergestellt und durchnummeriert als jeweiliges Unikat verkauft. Der Erlös trug teilweise zur Finanzierung des Glockenspiels auf dem Marktplatz bei. 

Quelle: Jubläums-Festschrift - 700 Jahre Stadt Heiligenhafen