Fischerei und Badeleben

Hochseefischkutter SH11 "Seemöwe", 1944

Im 19.Jahrhundert begann in Heiligenhafen die Küstenfischerei. Die im Heimatmuseum ausgestellten Netze, Aalreusen und Aalstecher dokumentieren die Anfänge der sogenannten  „Lüttfischerei“.
Nach 1945 flüchteten viele Fischerfamilien mit ihren großen Kuttern aus Ostpreußen und Pommern nach Heiligenhafen. Sie führten hier die Hochseefischerei ein. Ab 1953 wurde Heiligenhafen größter Fischanlandeplatz der westlichen Ostsee.

Die Seetouristik mit den beliebten Butterfahrten nach Rödbyhaven in Dänemark hat der Reeder Willy Freter aufgebaut und entwickelt. Sie begann 1960. Fünf Jahre später gehörte auch der von ihm erschlossene Touristikzweig „Hochseeangeln“ zu Willy Freters Unternehmen.

Eine Heiligenhafener Besonderheit ist das Gewerbe der „Steinfischerei“, das bis Anfang der 1970er Jahre noch betrieben wurde. Ein Modell und eine originale Steinzange vermitteln einen Eindruck von dieser ungewöhnlichen, aber zu ihrer Zeit sehr wichtigen Arbeit. Vom Meeresboden wurden Granitfindlinge „gefischt“, in ein Schiff gehievt und im Hafen ausgeladen. Die Findlingewurden für den Molenbau verwandt oder, von Steinschlägern zerkleinert, beim Straßenbau eingesetzt.

 

Lesehalle auf dem Steinwarder, 1927

Das Heiligenhafener Badeleben begann Ende des 19.Jahrhunderts auf dem Graswarder. Es verlagerte sich später auf den Steinwarder. 1910 entstand eine kleine „Strandhalle“ mit Umkleidekabinen. 1920 wurde das „Bad Steinwarder“ mit 30 Badekabinen, Strandkörben und Liegestühlen eröffnet. Eine Fährverbindung über den Binnensee zum Steinwarder entstand, später eine zweite von der Brückstraße aus zum gleichen Anleger. 1927 wurde hier eine Lesehalle errichtet, in deren Erdgeschoss die Gäste warme Seebäder nutzten konnten. 
Historische Abbildungen illustrieren die Entwicklung des Badelebens bis zum Ostseeferienpark mit Kuranlagen, Hallenmeerwasserbrandungsbad und Kurhaus (1969-1972). Mit dem Bau eines Damms zum Steinwarder (1970) wurden die alten Fährverbindungen eingestellt. 1974 erhielt Heiligenhafen die Anerkennung als Ostseeheilbad. 2004 musste das Hallenmeerwasserbrandungsbad  dem Bau eines familienfreundlichen Zentrums mit Sport- und Spielcenter, Schwimmbecken, Wellness- und Beautybereich sowie Ladenpassage weichen. Das „Aktiv-Hus“ wurde 2006 eröffnet.