Rathaus

Heiligenhafens erstes Rathaus wurde 1567 auf dem Marktplatz erbaut. Der ursprüngliche Rathausbau wurde am 21. Oktober 1730 durch eine Feuersbrunst vollständig vernichtet. Schon über dessen Eingangstür stand ein Spruch: „It schall dy keen Person syn bekannt, Dewiel das Recht steyt in diener Hand!“, womit den Mitgliedern des Rates bedeutet werden sollte, dass sie das Recht anzuwenden hätten, ohne Ansehen der Person. Bereits drei Jahre später (1733) konnte das an gleicher Stelle neu aufgebaute Rathausgebäude eingeweiht werden. Von einem Fenster dieses Rathauses aus wurde den Bürgern jedes Frühjahr die „Bürgersprache“, das waren besondere Stadtgesetze, verlesen. Dieses Rathaus ist 1878 abgebrochen und in den
nahegelegenen Thulboden verlegt worden. Mit dorthin zog der Heiligenhafener „Bütt“, der auch heute noch (in nachgebildeter Form) den Eingangsbereich ziert. Der damalige Hauptpastor Heinrich Scholtz beschreibt in seiner 1743 herausgegebenen „Chronik der Stadt Heiligenhafen“, welche Bewandtnis es mit diesem Schwanz eines Walfisches („Butzkopf“) hatte.

Bei dem heutigen Rathausgebäude handelt es sich um die 1882 von dem bekannten Reeder J. P. Massmann am Marktplatz im repräsentativen Gründerzeitstil erbaute Stadtvilla, die 1926 von der Stadt Heiligenhafen als Rathaus erworben wurde. Der „Bütt“ (Entenwal) zog wieder mit um und wurde erneut über der Rathaustür angebracht. Im Juli 1980 wurde die sorgfältig präparierte Butzkopf- Schwanzflosse jedoch – wahrscheinlich durch einen unüberlegten Jungenstreich – entwendet und leider auch nicht zurückgegeben.

Heute ziert eine von Erwin Schröttke geschnitzte Holznachbildung wiederum die Rathaustür. Darunter hängt in goldenen Buchstaben der gutmütige plattdeutsche Spottvers eines unbekannten Handwerksburschen, der sich über die Heiligenhafener lustig machte:

 

„Hillgenhaven, seggt se, ist man lütt.
un an´n Radhus, seggt se, hängt´en Bütt.
un die schiffohrt drievt se dor mit Macht,
Hebbt twe Böd, seggt se, un en Jacht.“